Uta Masch sitzt auf einem Stein am Ufersaum der Ostsee, in der feuchten, nährstoffreichen Übergangszone vom Land zum Meer. Oder umgekehrt? – Das ist kein Niemandsland, sondern ein Universum zwischen den Welten. Hier atmet sie ein, was später – in ihrem Atelier – von innerer Spannung aufgeladen, in die Welt zurückdrängt: als Bild. „Ausatmen“ nennt das die Künstlerin.
Es geht um diesen „schwebenden Zustand“, das magische Momentum zwischen der Realität und dem, „was uns das Auge vorgaukelt“, sagt sie und deutet beispielhaft auf ein Bild, das in Boltenhagen entstanden ist und von einen seltsamen bronzefarbenen Streifen am Horizont geprägt wird.
„Ich muss genau hinschauen und im Malen auch das zum Schwingen bringen, was hinter dem Horizont liegt, sich der Wahrnehmung entzieht, denn ein Bild ist mehr die Gesamtheit seiner Bestandteile“, sagt sie. Die tönern klingenden Muscheln und urzeitlich rollenden Steine im Auf und Ab der Gezeiten, der leicht modrige Geruch von Algen … Und am Ende sorgt der atmosphärische Gesamteindruck für die Vervollständigung des Bildes. Durch Weglassen von realen Gegebenheiten (oder dem, was wir dafür halten) führt sie den Betrachter darüber hinaus an neue, frei wählbare Orte. Manchmal, wenn sie ein Stück vorgefundener Realität heranzoomt, es aus bestehenden Zusammenhängen herauslöst und in einem namen- und zeitlosen Raum zum Schwingen bringt, erinnern mich ihre Bilder an den Beginn des Impressionismus.
Rüdiger Otto-von Brocken
(Auszug Vorwort Katalog IN SICHT VERORTET)
Einem nordischen Impressionismus folgend entstehen mit zügigem, manchmal ungeduldigen Strich die abstrahierten Landschaften von Uta Masch. Das erlaubt ihr, mittendrin im Motiv zu sein. Dabei vernachlässigt sie bewusst Details. Die atmosphärische Gesamtwirkung übernimmt die Vervollständigung des Bildes. Meist bewegt sie sich dabei in der von einer erdigen, grau geprägten Farbpalette. Mit ihren Werken möchte sie den Betrachter an ihrer Wertschätzung zum Leben in und mit der Natur teilhaben lassen und ihn für seine unmittelbare Umgebung begeistern.
© Bilder im Hof, Flensburg | Umsetzung: Lorenz Drews